
Das Institut für Theologie und Geschichte am Bibelseminar Bonn befasst sich mit der Identität der Christen russlanddeutscher Prägung und der Geschichte ihrer Gemeinden. Die typischen Merkmale ihres Glaubens haben sich durch das Leben in Russland und der Sowjetunion herausgebildet, in dem sie zunächst über viele Generationen eine rege Verbindung zu ihrem Herkunftsland pflegten, danach aber viel Leid erfahren haben.
Mitte der 1970er Jahre entstanden in Deutschland die ersten Gemeinden russlanddeutscher Prägung. Die Öffentlichkeit nahm sie zunächst als Heimkehrergemeinden wahr, später, als der Zuzug aus dem Osten seinen Höhepunkt erreicht hat, als Gemeinden von Aussiedlern, und schließlich als eine Glaubensgemeinschaft von Spätaussiedlern. Diese Bezeichnungen folgen der Entwicklung im Kanzleideutsch; in den Gemeinden bevorzugt man – wenn überhaupt – den Begriff Russlanddeutsche.
Die Zahl der russlanddeutschen Gemeinden wächst, wie auch ihre Vielfalt in Blick auf Gottesdienstformen, Frommigkeitsart und theologische Akzente. Die Zahl dieser Gemeinden bewegt sich auf die 500er Marke zu.
Das Ziel des Instituts für Theologie und Geschichte besteht in der Erforschung dieser Vielfalt.
Um die russlanddeutsche Gemeinden der Gegenwart zu verstehen, muss man ihre Vergangenheit in der Sowjetunion und davor kennen lernen. Durch viel harte Arbeit haben seinerzeit die Einwanderer aus Deutschland es in Russland zu einem Wohlstand gebracht; eine große Erweckung in der 2. Hälfte des 19 Jahrhunderts führte zu einem blühenden Gemeindeleben. Darauf folgten die Vernichtung der Religion durch die gottlose sowjetische Regierung.
Der Glaube der älteren heute in Deutschland lebenden Generation von Russlanddeutschen ist durch den Kampf ums Überleben in II. Weltkrieg, Erweckung und Verfolgungen geprägt. Auf ihre Generation geht der Neuanfang des Gemeindelebens in der Sowjetunion zurück. Viele russlanddeutsche Gemeinden in Deutschland führen ihren Glauben auf die Erweckung nach dem II. Weltkrieg zurück.
Für das Institut für Theologie und Geschichte gilt es, die Quellen dieses Glaubens bis hin zur Reformation zu erforschen und fest zu halten.
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